Jahresbericht 2013

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Jahresbericht 2013
 

Das 16. Jahr der Stiftung war wieder sehr ereignisreich. Es wurden viele neue Stiftungsfälle gemeldet aber leider mussten wir einen deutlichen Rückgang der Bußgelder feststellen. Die Bittsteller werden mehr und die mit Bußgeld bedachten immer weniger.

Unsere Stiftung entwickelt sich weiter als soziales Netzwerk und dringt immer mehr in das Bewusstsein unserer Kolleginnen und Kollegen und in die öffentliche Wahrnehmung ein. 2013 hatten wir 137 Stiftungsfälle gegenüber 128 im Vergleich zum Vorjahr. Dazu gehören die Familien und engste Angehörige von Geschädigten. Die Betroffenen dürfen, je nach Schwere ihrer Schicksale und Belastungen unterschiedlich lange Aufenthalte in unseren Häusern in Anspruch nehmen.

Die hinzugewonnenen Partner – wie der „Soziale Dienst“ oder der „Zentrale Psychologische Dienst“, die sich auch den Schwierigkeiten unserer Berufsgruppe annehmen – haben uns in ihrer Funktion wieder hilfreich zur Seite gestanden und Hilfe geleistet.

Der Weg zurück in das „normale Leben“ ist unser oberstes Ziel. Wir ersetzen dabei weder Behandlung noch Therapie. Sondern wir helfen durch unser „Dasein“ und unterstützen Betroffene dabei, wieder in den Alltag zurückzufinden. Sinn und Zweck ist es dabei, Betroffenen durch Hilfe zur Selbsthilfe unter die Arme zu greifen. Die Gespräche helfen nicht nur unseren Besuchern. Sie geben auch uns als Helfer Kraft und Mut weiter zu machen und in einer „Ellbogengesellschaft“ Standhaftigkeit zu zeigen.

Bei allen Geschehnissen, die unsere Unterstützung erforderlich machen, ist es wichtig, dass der Geschädigte selbst dahin kommt wieder Freude zu empfinden, damit Körper, Geist und Seele wieder in Einklang sind. Bei uns kann jeder Betroffene auch Ruhe und Kraft aus der Natur schöpfen: in den Bergen, an Seen und Flüssen. Wer die Natur erfasst, kann neue Wege, neue Hoffnung und Glauben finden. Wir werden nicht müde mit unseren Freunden und Helfern immer wieder für unsere Idee um Hilfe und Unterstützung zu bitten.

 

Im Frühsommer 2013 hatten wir das schreckliche Hochwasser in Bayern und Sachsen-Anhalt. Dieses Geschehnis ging durch die Medien bis in den letzten Winkel unseres Landes. Über das Leid der Bevölkerung konnte man lesen und war erschrocken über die Informationen, wie viel Kolleginnen und Kollegen selbst betroffen waren. Die Hilfsbereitschaft unter einander war groß. Wir bekamen Geld und konnten so den Kollegen mit Aufenthalten aus allen drei betroffenen Regionen helfen.

Eine besondere Einzelgeste kam aus Breslau/ Polen. Dort hatte ein Kollege der NSZZP, dem wir vor Jahren geholfen hatten 4.000 Zloty/ 1.000 € gesammelt um damit in Sachsen-Anhalt einem Kollegen zu helfen. Das Geld wurde persönlich überreicht. Ein solches Beispiel berührt und ermuntert zugleich. Unsere Solidarität ist etwas Besonderes.

In solchen Situationen ist es schön, Hilfe geben zu können, denn durch diese Hilfe werden wir Zug um Zug bekannter. Gut, dass wir auch immer wieder neue Helfer und Sponsoren finden, sonst ständen wir vor dem „Aus“.

Wir freuen uns sehr, dass es in verschiedenen Regionen deutschlandweit, durch Sammel- und Spendenaktionen von Kolleginnen und Kollegen vor Ort, zu einer beachtenswerten Größe von Kleinspenden gekommen ist. Wir dürfen darin zu Recht den Beweis sehen, dass die Hilfe durch Selbsthilfe großgeschrieben wird.

2013 war eine Steigerung der Spenden spürbar, dafür aber ein weiterer, merklicher Rückgang der Bußgelder aus der Justiz. Es ist somit auch in Zukunft enorm wichtig, dass wir im Einzugsbereich eines Oberlandesgerichtes aktive und helfende Kolleginnen und Kollegen vor Ort haben, die die Aufmerksamkeit auf unsere Zielsetzung im Auge behalten. Wir freuen uns über jeden der Justizangehörigen vor Ort über unsere Arbeit berichtet.

 

Einen großen Aufgabenbereich für 2014 stellt der Ausbau des Netzwerkes dar und die Stiftungen zusammenzufügen, die unseren Berufsgruppen helfen. Denn gemeinsam können wir noch mehr erreichen und stiftungs- und spendenwillige Bürger geraten nicht damit durcheinander, wen sie unterstützen möchten. Unser Ziel ist es, die gemeinsame Arbeit mit der Polizeistiftung beim Bayerischen Innenministerium (für im Dienst Geschädigte) durch Aktionen in Bayern zu festigen. Für 2014 ist eine Kooperation mit einem Sozialwerk der Gebirgstruppen der Bundeswehr unter Oberst a. D. Manfred Benkel erfolgt und nimmt seien Anfang..

Auch die Politik darf sich nicht aus ihrer Verantwortung ziehen. Denn es ist nicht ein Fehlverhalten der verletzten Polizistinnen und Polizisten sowie der gesamten Sicherheitskräfte, das für die Erhöhung der Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft verantwortlich ist. Die Politik selbst muss die eigenen Maßstäbe überdenken, mit denen sie gegen die Gewalt – von links, von rechts, in Fußballstadien oder durch religiöse Fanatiker – vorgeht. Deeskalation und Schmusekurse sind passe! Der Staat darf nicht „im warmen Zimmer sitzen“ und uns im Regen stehen lassen. Das Gute hat sich gegen das Schlechte zu wehren und die Politik hat die Voraussetzungen zu schaffen, die Bürger in ruhigeres Fahrwasser lenken. Schade, dass die Bundesländer ihre Polizeibeamten so unterschiedlich behandelt, teilweise ja fast allein lassen. Für das Risiko muss man geschützt und unterstützt werden und zwar ohne „Wenn und Aber“.

Als Stiftung erfahren wir durch Betroffene von den wachsenden Schäden durch posttraumatische Belastungen und die ansteigende Zahl von Burnout-Fällen in unseren Reihen. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, aber sie entstehen auch durch die erhöhte Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft und dadurch die Überbelastung der Kollegen zugrunde liegen.

Wir werden diese auswerten und immer wieder öffentlich machen. Wir möchten ein mahnender Zeigefinger sein und mitdenkende und engagierte Bürger auffordern und darin bestärken, Zivilcourage zu zeigen. Eine gewalttätige Minderheit darf nicht eine bequeme und wegschauende Mehrheit beherrschen. Die Spirale der Gewalt und die Lustlosigkeit über den Staat machen uns ein stückweit zum Staatsbüttel und zur Zielscheibe für Chaoten.

Die Gewalt macht vor niemanden halt. Sollte die Lufthoheit im Krisenbereich verloren gehen ist es zu spät.

Wir freuen uns über jeden neuen Helfer oder Sponsor. Immer wieder sind es die kleinen Leute die ihr Geld spenden und zu Ihrer Polizei und der Feuerwehr stehen. Diejenigen, die über die Schweizer Banken CD`s kommen wenn es zu spät ist, die helfen nicht aus Überzeugung.

Dabei soll doch ein gutes Gewissen ein sanftes Ruhekissen sein – oder?

Berend Jochem

Vorsitzender der Stiftung