Jahresbericht 2012

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Jahresbericht 2012


Das 15. Jahr der Stiftung war wieder sehr ereignisreich

Unsere Stiftung entwickelt sich zu einem sozialen Netzwerk und dringt immer mehr in das Bewusstsein unserer Kolleginnen und Kollegen und in die öffentliche Wahrnehmung ein. 2012 hatten wir 128 Stiftungsfälle gegenüber 100 im Vergleich zum Vorjahr. Dazu gehören ganze Familien und engste Angehörige von Geschädigten. Die Betroffenen dürfen, je nach Schwere ihrer Schicksale und Belastungen unterschiedlich lange Aufenthalte in unseren Häusern in Anspruch nehmen.
Die hinzugewonnenen Partner – wie der Soziale Dienst oder der Zentrale Psychologische Dienst, die sich auch den Schwierigkeiten unserer Berufsgruppe annehmen – haben uns in ihrer Funktion schon hilfreich zur Seite gestanden.

Der Weg zurück in das „normale Leben“ ist unser oberstes Ziel. Wir ersetzen dabei weder Behandlung noch Therapie. Sondern wir helfen durch unser „Dasein“ und unterstützen Betroffene dabei, wieder in den Alltag zurückzufinden. Sinn und Zweck ist es dabei, Betroffenen durch Hilfe zur Selbsthilfe unter die Arme zu greifen.

Bei allen Geschehnissen, die unsere Unterstützung erforderlich machen, ist es wichtig, dass der Geschädigte selbst dahin kommt wieder Freude zu empfinden, damit Körper, Geist und Seele wieder in Einklang sind. Bei uns kann jeder Betroffene auch Ruhe und Kraft aus der Natur schöpfen: in den Bergen, an Seen und Flüssen. Wer die Natur erfasst, kann neue Wege, neue Hoffnung und Glauben finden.

Im Herbst 2011 ereilte uns die Meldung von der schrecklichen Ermordung unseres Kollegen in Augsburg. Dieses Geschehnis ging durch die Medien – bis in den letzten Winkel der Republik. Über das Leid der Familie, der Freunde und Kollegen wollen wir uns hier nicht äußern. Nun hat im Jahr 2012 die Hilfe für die Familie und die Kollegin begonnen und wird fortgesetzt. Der Prozess 2013 gegen die Täter wird erneut Wunden aufreißen und zu einer schweren Zeit für die Angehörigen werden.

Es kam noch zu weiteren tragischen Ereignissen in Deutschland. Ein besonders schwerer Fall ereignete sich 2012 in Sachsen Anhalt.

In solchen Situationen ist es schön, Hilfe geben zu können, denn durch diese Hilfe werden wir Zug um Zug bekannter. Gut, dass wir auch immer wieder neue Helfer und Sponsoren finden, sonst ständen wir vor dem „Aus“.

Wir freuen uns sehr, dass es in verschiedenen Regionen deutschlandweit, durch Sammel- und Spendenaktionen von Kolleginnen und Kollegen vor Ort, zu einer beachtenswerten Größe von Kleinspenden gekommen ist. Wir dürfen darin zu Recht den Beweis sehen, dass die Hilfe durch Selbsthilfe großgeschrieben wird.

2012 war eine kleine Steigerung der Spenden spürbar, dafür aber ein merklicher Rückgang der Bußgelder aus der Justiz. Es ist somit auch in Zukunft enorm wichtig, dass wir im Einzugsbereich eines Oberlandesgerichtes aktive und helfende Kolleginnen und Kollegen vor Ort haben, die die Aufmerksamkeit auf unsere Zielsetzung im Auge behalten.

Einen großen Aufgabenbereich für 2013 stellt der Ausbau des Netzwerkes dar und, die Stiftungen zusammenzufügen, die unseren Berufsgruppen helfen. Denn gemeinsam können wir noch mehr erreichen und stiftungs- und spendenwillige Bürger geraten nicht damit durcheinander, wen sie unterstützen möchten. Unser Ziel ist es, die gemeinsame Arbeit mit der Polizeistiftung beim Bayerischen Innenministerium (für im Dienst Geschädigte) durch Aktionen in Bayern zu festigen. Für 2013 ist eine Kooperation mit einem Sozialwerk der Gebirgstruppen der Bundeswehr unter Oberst a. D. Benkel in Vorbereitung.

Auch die Politik darf sich nicht aus ihrer Verantwortung ziehen. Denn es ist nicht ein Fehlverhalten der verletzten Polizistinnen und Polizisten sowie der gesamten Sicherheitskräfte, das für die Erhöhung der Gewaltbereitschaft in der Gesellschaft verantwortlich ist. Die Politik selbst muss die eigenen Maßstäbe überdenken, mit denen sie gegen die Gewalt – von links, von rechts, in Fußballstadien oder durch religiöse Fanatiker – vorgeht. Deeskalation und Schmusekurse sind passe! Der Staat darf nicht „im warmen Zimmer sitzen“ und uns im Regen stehen lassen. Das Gute hat sich gegen das Schlechte zu wehren und die Politik hat die Voraussetzungen zu schaffen, die Bürger in ruhigeres Fahrwasser lenken.

Als Stiftung erfahren wir durch Betroffene von den wachsenden Schäden durch posttraumatische Belastungen und die ansteigende Zahl von Burnout-Fällen in unseren Reihen. Dafür gibt es verschiedene Ursachen, aber sie entstehen auch durch die erhöhte Gewaltbereitschaft in unserer Gesellschaft. Auch daraus resultiert oftmals eine Überbelastung der Kolleg/-en/-innen.
Wir werden diese auswerten und immer wieder öffentlich machen. Wir möchten ein mahnender Zeigefinger sein und mitdenkende und engagierte Bürger auffordern und darin bestärken, Zivilcourage zu zeigen. Eine gewalttätige Minderheit darf nicht eine bequeme und wegschauende Mehrheit beherrschen. Die Spirale der Gewalt und die Lustlosigkeit über den Staat machen uns ein stückweit zum Staatsbüttel und zur Zielscheibe für Chaoten.
Bei diesen Überlegungen rüttelte uns der Mord an einem Staatsanwalt in Dachau erschreckend wach. Die Missachtung aller Regeln staatlicher Gewalt gewinnt auch in der Justiz sichtbare Formen. Wir werden uns mit allen zur Verfügung stehenden Kräften gegen Fehlentwicklungen wehren und weiterhin Geschädigten und Betroffenen Hilfe gewähren, um für sie eine bessere Zukunft zu erreichen.

Wir freuen uns über jeden neuen Helfer oder Sponsor. So hat uns beispielsweise eine Dame aus Bayern eine kleine Zustiftung geschaffen und auch ein Bürger aus Dresden. Wir verlieren unsere Hoffnung nicht, solange wir immer wieder Menschen zur Hilfe motivieren können.


Berend Jochem
Vorsitzender der Stiftung